Die 6. Parlamentssitzung

 

 
Parlamentssitzung im LVR-LandesMuseum Bonn

Spendenparlament fördert neue Hilfsprojekte mit 18.000 Euro

Bonner Spendenparlament unterstützt acht weitere soziale Vorhaben - Initiative steht zunehmend auf zwei Beinen: neben Spenden der Parlamentarier großzügige Geldspenden -
„Es kommt vor allem auf die Helfer an - und auf die Helfer der Helfer"

Die Ausrüstung einer bedürftigen Kinderfußballmannschaft, die dringende Dachsanierung einer Trainingshalle junger und auch behinderter Judosportler, ein „Elterncafé" in der Uni-Kinderklinik oder gesonderter Sexualkundeunterricht für Jungen: In Bonn fehlt es an allen Ecken und Kanten, insbesondere wenn Benachteiligte unserer Gesellschaft betroffen sind.

Das haben die Mitglieder und Gäste des Bonner Spendenparlaments auf der 6. Parlamentssitzung am 9. November 2011 wieder aus erster Hand erfahren. Vertreter von acht Bonner Vereinen hatten sich auf der Parlamentssitzung im Rheinischen Landesmuseum um die finanzielle Unterstützung ihrer sozialen Projekte beworben. Dazu gehörten weiterhin die Anschaffung von Infozelten für interkulturelle Veranstaltungen, die Förderung von „Bildungspaten" zur Integration schutzbedürftiger Flüchtlinge, die PC-Ausstattung für Seniorenkurse und die Ausbildung von „Kletterinstruktoren".

Nach lebhafter Debatte stimmten die Spendenparlamentarier der Vergabe von 17.980,44 Euro für Hilfsprojekte in der Stadt zu. Mit einer spontanen, zusätzlichen privaten Spende in Höhe von 600 Euro für das „Elterncafé" in der Uni-Kinderklinik erhöht sich das Fördervolumen auf knapp 18.600 Euro. Die Förderanträge wurden vor der Einbringung ins Parlament sorgfältig von der Finanzkommission der gemeinnützigen Initiative auf ihre Förderwürdigkeit geprüft.

„Es kommt in der Welt vor allem auf die Helfer an - und auf die Helfer der Helfer". Mit diesen Worten von Albert Schweitzer bedankte sich der 1. Vorsitzende des Bonner Spendenparlaments e.V., Prof. Dr. Hans-Martin Schmidt, nicht nur bei den inzwischen über 250 Mitgliedern des Spendenparaments, die regelmäßig mindestens fünf Euro im Monat für den guten Zweck spenden. „Das Bonner Spendenparlament steht zunehmend auf zwei Beinen", sagte Schmidt. Die Initiative erhält immer häufiger zusätzliche Geldspenden wie jüngst einen 1.000 Euro-Spendenscheck des Online-Jugendmagazins AnimaniA, Träger der Bonner Großveranstaltung AnimagiC. Aufgestockt wurden die Fördermittel beispielsweise durch ein Benefizkonzert von Stephan Eisel oder die Erlöse des Ermekeilstraßenfestes. Großzügige Spenden gibt es anlässlich runder Geburtstage, Jubiläen, Hochzeitstagen, aber auch bei Beerdigungen, wenn an Stelle von zugedachten Kranzspenden um Geldspenden für das Bonner Spendenparlament gebeten wird.

Das Spendenparlament vergibt aber nicht nur regelmäßig neue Fördergelder. „Die Umsetzung der geförderten Projekte wird von den Aktiven des Trägervereins sehr genau geprüft und begleitet", versicherte die Präsidentin des Bonner Spendenparlaments, Rita Koch, den Parlamentariern bei der offiziellen Eröffnung der 6. Parlamentssitzung. So wird der zuletzt für den Verein „Ausbildung statt Abschiebung" finanzierte Multifunktionsdrucker fleißig genutzt. Die ersten geförderten Erlebnisausflüge für sozial benachteiligte Kinder sind erfolgt. Der Friedenslauf des „Forums Ziviler Friedensdienst" hat erfolgreich stattgefunden. Beim „Vätertreff" des Kinderschutzbundes wurden Werkbank, Lagerregale und Werkzeuge für die neue Werkstatt angeschafft. Das Kochmobil für an Demenz Erkrankte wird Ende November im Altenheim Herz-Jesu-Kloster offiziell eingeweiht. „Ich freue mich, dass wir mit den zu verabschiedenden Förderprojekten dieser Parlamentssitzung wieder dazu beitragen können, vielen Bonner Mitmenschen zu helfen und ihre oft schwierigen Lebensbedingungen ein wenig zu verbessern", so Rita Koch.

Acht Projekte gefördert:

Auf der 6. Parlamentssitzung haben die Mitglieder des Bonner Spendenparlaments der Förderung folgender acht Projekte zugestimmt:

Projekt 1: Integration auf dem Fußballfeld - Ausrüstung der neuen Kindermannschaft D9 Tabu/ Dransdorf. Als Fußballverein mit sozialer Ausrichtung nimmt der 1. FC Bonn 2006 e. V. insbesondere Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen aus Tannenbusch und Dransdorf auf. Für die erstmalige Teilnahme am Meisterschaftsbetrieb muss die D-Jugend-Mannschaft entsprechend ausgerüstet werden.

Fördermittel u.a. für Trikots, Trainingsanzüge, Bälle, Sanitätskoffer: 2.988 Euro.


Projekt 2: Judosport ins Trockene bringen - Dachsanierung sichert geordnetes Training für Kinder und Jugendliche. Der 1. Godesberger Judo Club e. V. bietet Judo überwiegend für Kinder und Jugendliche an, ferner werden auch Taekwondo, Fitness und Selbstverteidigung vermittelt. Ein hoher Anteil der jungen Mitglieder hat Migrationshintergrund, ein zunehmender Teil eine Behinderung. Um geordnetes Training zu gewährleisten, muss das defekte Hallendach dringend instand gesetzt werden.

Fördermittel als Beitrag zur Dachsanierung bei vorhandenen 30.000 Euro Eigenmitteln: 5.000 Euro.


Projekt 3: Betreuung, Rat und Austausch im „Elterncafé" - neue Einrichtung in Uni-Kinderklinik für Familien schwerstkranker Kinder. Der Verein Bunter Kreis Bonn-Ahr-Rhein-Sieg e. V. will eine Lücke schließen, die immer dann entsteht, wenn ein Kind nach einer schweren Krankheit aus der stationären Be-handlung entlassen wird, aber weiterhin einer intensiven Nachbetreuung bedarf. In der Uni-Kinderklinik soll für die betroffenen Angehörigen ein „Elterncafè" als Rückzugsraum zum Entspannen und Austausch mit fachkun-digen Gesprächspartnern eingerichtet werden.

Fördermittel für eine mobile Versorgungstheke, Elektro- und Spielgeräte: 2.400 Euro. Die finanzielle Unterstützung wurde während der Sitzung durch eine zusätzliche private Spende auf 3.000 Euro aufgestockt.


Projekt 4: Aufklärung von Mann zu „Mann". Die Jungs von heute - Partner und Väter von morgen. Im Rahmen von Schwangerschaftsberatungen stellte Donumvitae Regionalverband Bonn/Rhein-Sieg e. V. fest, dass infolge der wachsenden Zahl alleinerziehender Frauen die männliche Sexualerziehung bei Jungen zu kurz kommt. In dem Projekt soll als Ergänzung bzw. Erweiterung zum Biologieunterricht Jungen durch männli-che Pädagogen Sexualkunde erteilt werden.

Fördermittel für Honorar (30 Stunden) zuzüglich Fahrt- und Materialkosten: 1.042,44 Euro.

 

Projekt 5: Infozelte zur Teilnahme an interkulturellen Veranstaltungen. Die Fraueninitiative für Bildung und Erziehung e. V. (FIBEr e. V.) setzt sich in interkulturellen Projekten für die Förderung von Bildung und Erziehung von sozial benachteiligten Frauen und Mädchen, insbesondere mit Migrationshintergrund, ein. Für die Teilnahme an öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Internationalen Kultur- und Begegnungsfest oder dem Tannenbuscher Begegnungsfest, ist unter anderem eine stabile und haltbare Ausstattung erforderlich, wozu insbesondere wetterfeste Pavillons gehören.

Fördermittel für zwei Pavillons mit Seitenwänden: 2.080 Euro.


Projekt 6: Förderung von „Bildungspaten" - Hilfe zur Integration besonders schutzbedürftiger Flücht-linge. Die Ökumenische Flüchtlingshilfe Bonn e.V. beteiligt sich an der Bonner „save me"-Kampagne und setzt sich für die dauerhafte Aufnahme und Integration von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen im Rahmen des Resettlement-Programms (Neuansiedlungsprogramm) des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNCHR) ein. Die individuelle Unterstützung von Flüchtlingen soll durch die Förderung der eingesetzten „Bildungspaten" in Form von professioneller Supervision weiter verbessert werden.

Fördermittel für Honorar- und Mietkosten: 1.240 Euro.


Projekt 7: Kurse schaffen Verbindung - neue Computer erleichtern Senioren Umgang mit PC und In-ternet. Der Verein Offene Tür Dürenstraße e. V. ist die erste und älteste Bonner Seniorenbegegnungsstätte außerhalb eines Seniorenwohnheims. Es finden aber auch generationsübergreifende Veranstaltungen statt (z.B. mit Schülern und Kindergartenkindern). Für die angebotenen PC-Kurse für Senioren (Internet, E-Mail, Fotobearbeitung) muss die IT-Ausstattung erneuert werden.

Fördermittel für acht neue PC-Arbeitsplätze für Senioren-Schulungen: 2.000 Euro.


Projekt 8: „Hoch hinaus am Kletterturm" - ausgebildete Instruktoren vermitteln Verantwortung für einander. Der Verein Scouting Bonn e. V. bietet Kindern und Jugendlichen, deutschstämmigen und Migran-ten, die Möglichkeit, im unmittelbaren Kontakt mit der Natur und in handwerklichen Tätigkeiten Fähigkeiten, Fertigkeiten und einen authentischen Wertehorizont, insbesondere Verantwortungsbewusstsein , im gemein-samen Tun zu entwickeln. Die Stadt hat dem Verein den Kletterturm auf der Rigal'schen Wiese kostenfrei unter der Auflage zur Verfügung gestellt, dass Kletterinstruktoren ausgebildet und sicheres Klettermaterial angeschafft werden.

Fördermittel für die Ausbildung von Kletterinstruktoren sowie für Klettermaterialien (Gurte, Seile, Sicherungsgeräte): 1.230 Euro.

Neues Präsidium gewählt
Aus der Mitte des Parlaments wurde mit Wolfgang Bös, Rita Koch und Matthias Ohm ein neues Präsidium für das Bonner Spendenparlament gewählt. Das dreiköpfige Präsidium bildet den Beirat des gemeinnützigen Trägervereins Bonner Spendenparlament e.V. und hat das Recht, an dessen Arbeitssitzungen teilzunehmen.