5. Parlamentssitzung, 18. Juni 2011

Eröffnung der 5. Parlamentssitzung

Knapp 16.000 Euro für soziale Vorhaben in Bonn wurden am 18. Juni durch die Spendenparlamentarier vergeben. Das Bonner Spendenparlament tagte diesmal am Geburtsort der Bundesrepublik Deutschland und hat Fördermittel für Integrations-, Migrations- und Bildungsprojekte in Bonn im Museum Alexander Koenig vergeben.

Die Förderung sozial benachteiligter Kinder durch erlebnispädagogische Maßnahmen; ein Vätertreff zur Steigerung des Selbstwertgefühls Langzeitarbeitsloser; ein Unterrichtsprojekt zur Konfliktbewältigung und ein Kochmobil für ein Altenheim, das an Demenz Erkrankten ein Stück mehr Teilhabe und Lebensqualität bringt: So weit reichte das Spektrum der sozialen Projekte, über die die Mitglieder des Bonner Spendenparlaments auf ihrer 5. Parlamentssitzung am Samstag (18. 06.) debattiert und abgestimmt haben. Für insgesamt neun Hilfsprojekte stellten die Parlamentarier dieses Mal ein Spendenvolumen von 15.814,29  Euro zur Verfügung.

Die Förderanträge wurden vor der Einbringung ins Parlament sorgfältig von der Finanzkommission der gemeinnützigen Initiative auf ihre Förderwürdigkeit geprüft. Vorgestellt wurden die Projekte von den Vereinen, die dafür finanzielle Unterstützung beim Bonner Spendenparlament beantragt hatten.

„Mit Ihrer Teilnahme an der Parlamentssitzung dokumentieren Sie ihr bürgerschaftliches Engagement für diese Stadt", begrüßte der 1. Vorsitzende des Bonner Spendenparlaments e. V., Professor Dr. Hans-Martin Schmidt, die Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Festsaal des Museums Alexander Koenig. „Als Mitglied des Bonner Spendenparlaments machen Sie zugleich von Ihrem Recht Gebrauch, mit über die Verwendung Ihrer Spenden für die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Bundesstadt zu entscheiden. Genau das ist das Besondere an unserer Initiative von Bonnern für Bonner, dadurch unterscheiden wir uns von vielen anderen", betonte Schmidt. Der demokratische Ansatz werde auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die 5. Parlamentssitzung zu Gast am Geburtsort der Bundesrepublik Deutschland sei. Im Museum Alexander Koenig fand am 1. September 1948 die Eröffnungssitzung des Parlamentarischen Rates statt, der das Grundgesetz erarbeitet hat.

Das beachtliche Fördervolumen, dass die Parlamentarier im Verlaufe der 5. Parlamentssitzung auf die Rekordhöhe von knapp 16.000 Euro aufgestockt haben,  führte der 1. Vorsitzende nicht nur auf die seit der letzten Sitzung im November vergangenen Jahres um zehn Prozent auf knapp 250 gestiegene Zahl der Parlamentarier zurück, die mindestens 60 Euro im Jahr spenden. „Zu der erfreulichen Entwicklung tragen auch immer mehr Spenden von außen bei, insbesondere sogenannte ,Anlassspenden‘ zu Geburtstagen (‚man hat ja eh alles‘), zu Jubiläen und anderen Gelegenheiten", sagte Schmidt.

Das Spendenparlament vergibt nicht nur regelmäßig neue Fördergelder. „Die Umsetzung der geförderten Projekte wird von den Aktiven des Trägervereins sehr genau geprüft und begleitet", versicherte die Präsidentin des Bonner Spendenparlaments, Rita Koch, den Parlamentariern bei der offiziellen Eröffnung der 5. Parlamentssitzung. So habe als Ergebnis der vorangegangenen Parlamentssitzung das Muck Familien-Zentrum den Kurs zur „psychomotorischen Arbeit mit Kleinkindern aus Familien mit Migrationshintergrund" eingerichtet. In der ersten „Wohngemeinschaft für an Demenz Erkrankte" des Vereins Lebensqualität im Alter seien die gestiftete Waschmaschine und der Wäschetrockner in vollem Einsatz. Die professionelle Papierschneidemachine für Arte Fact/Werkstatt für Kunst erleichtere die kreative Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im kostenlosen „offenen Atelier". Die gemeinnützige Einrichtung PAUKE, die sich um die Wiedereingliederung von Suchtkranken und Langzeitarbeitslosen kümmert, habe unter anderem von den Fördermitteln drei Betroffenen eine Ausbildung als Koch ermöglicht. Der Verein Marabu probe inzwischen intensiv mit Kindern und Jugendlichen das selbst entwickelte Theaterstück. Das Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen stehe mit seinem Musikprojekt für allgemein schwer motivierbare Schülerinnen und Schüler vor der CD-Produktion im „mobilen Tonstudio".

Die nunmehr neu eingebrachten Förderprojekte bezeichnete die Parlamentspräsidentin als ein „Spiegelbild des großartigen bürgerschaftlichen Engagements von engagierten Mitbürgern unserer Stadt". „Ich bin sicher, dass wir mit unseren Spenden wieder vielen Vereinen die Möglichkeit geben, ihre beispielhaften Projekte für die Mitmenschen umzusetzen, die auf Hilfe dringend angewiesen sind", so Rita Koch.

Neun neue Vorhaben zur Debatte: von Entdeckertouren bis zum Kochmobil

Für die 5. Parlamentssitzung des Bonner Spendenparlaments hatte die Finanzkommission dem Parlament neun Projekte zur Entscheidung vorgeschlagen:

Projekt 1: „Ich kann es!": Förderung sozial benachteiligter Kinder durch naturwissenschaftliche Erlebnispädagogik. Abenteuer Lernen e. V. will sozial benachteiligte Kinder durch Experimentieren, Ausprobieren und Forschen in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung fördern. In mehreren Kurseinheiten in den Themenkreisen Chemie, Geologie, Experimente aus der Speisekammer, Körperwahrnehmung und Gesundheit können die Kinder neue Erfahrungen sammeln und Fähigkeiten erwerben. Fördermittel für Projektdurchführung: 3.600 Euro.

Projekt 2: Hilfe zur professionellen Gestaltung von Bewerbungsmaterialien für junge Flüchtlinge: Anschaffung eines Multifunktionsdruckers und Tonerkits. Ausbildung statt Abschiebung e. V. richtet sich an junge Flüchtlinge im Alter von 14 bis 27 Jahren in der Region Bonn. Der Verein fördert insbesondere Bildung und Ausbildung der oft traumatisierten Kinder und Jugendlichen. Er bemüht sich speziell um Ausbildungsstellen und unterstützt die Jugendlichen beim Erstellen einer Bewerbungsmappe sowie bei der Vorbereitung der Vorstellungsgespräche. Fördermittel für die Anschaffung eines Multifunktionsdruckers und Tonerkits: 1.510 Euro.

Projekt 3:Kinder entdecken Bonn": Erlebnisausflüge als Bildungsanstöße für sozial benachteiligte Kinder. B.A.Z. e.  V. - Bildungshilfe von A-Z unterstützt vor allem Migranten, arme Mütter und Mütter in schwierigen Lebensverhältnissen, ihre Kinder schon frühzeitig an Bildungsangebote heranzuführen. Für die 5- bis 6-jährigen Kinder wird die Möglichkeit geschaffen, durch Ausflüge ihre Stadt und Umgebung und damit ihr Lebensumfeld spielerisch zu erkunden. Fördermittel für rund 40 Tagesausflüge (Transferkosten, Eintrittsgelder, Verpflegung und Hilfsmittel): 1.800 Euro.

Projekt 4:Kochmobil fürs Altenheim": Kochen und Genießen auch für an Demenz Erkrankte. Caritas für die Stadt Bonn e. V. will mit dem Projekt „Mobiles Kochen" die Teilhabe und Lebensqualität von an Demenz erkrankten Bewohnern eines Altenheims verbessern. Mithilfe eines „Kochmobils" werden die Zubereitung und Einnahme von Speisen auch auf dem Zimmer ermöglicht. Der Einsatz des Kochmobils in Gemeinschafts­räumen dient der Sozialisierung durch gemeinschaftliches Zubereiten der Mahlzeiten, verbunden mit Sinnesreizen und der Erweiterung des Erlebnishorizonts. Fördermittel für die Anschaffung eines Kochmobils: 2.162,54 Euro.

Projekt 5: „Integration und Teilhabe durch Vätertreff": Einrichtung eines Werkraums in Bonner Stadtteilen mit Entwicklungsbedarf. Der Deutsche Kinderschutzbund - Ortsverein Bonn e. V. richtet sich mit seinem Projekt an sozial benachteiligte Familien aus den Stadtteilen Bonn-Dransdorf und Bonn-Tannenbusch. Es sollen vor allem Väter angesprochen werden, deren Selbstwertgefühl wegen längerer Beschäftigungslosigkeit leidet. Sie werden durch die Übernahme handwerklicher Tätigkeiten und Reparaturarbeiten (Gemeinschaftsraum und Freigelände) schrittweise in die Arbeit eines Eltern-Kind-Treffs eingebunden. Durch den „Vätertreff" sollen sie ihre Ressourcen entdecken und das Gefühl von Integration und Teilhabe erfahren. Damit wird auch Konfliktpotenzial in den Familien gesenkt. Fördermittel für Sachkosten: 1.541,75 Euro.

Projekt 6:Schulen machen Frieden": Unterrichtsprojekt in Bonn für Toleranz und Gewaltfreiheit. Das Forum Ziviler Friedensdienst e.  V. will mit Mitteln des Theaters eine Annäherung an die Themen Krieg und Frieden, Gewalt und Gewaltfreiheit vermitteln. In Szenen erfahren Schüler/innen, in welcher Weise diese Themen sie selbst betreffen und wie sie z.  B. durch den „Bonner Friedenslauf" einen eigenen konkreten Beitrag zur Konfliktbewältigung leisten. Es sollen Fragen behandelt werden wie: Wo gibt es Mehrheiten und Minderheiten, Ausgeschlossene, „unsichtbare Grenzen" zwischen Gruppen in unserer Stadt, an unseren Schulen? Wollen und können wir diese Grenzen überwinden? Fördermittel für die Projektdurchführung: 800 Euro.

Projekt 7: „Kinder- und Jugendfußball in Bad Godesberg": Anschaffung eines Shuttle-Busses für Transfers zum Training. Der InternationaleSportclub (ISC) AlHilal Bonn e. V. will besonders bei Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund die Leidenschaft für den Fußball aufgreifen, Talente und soziales Lernen im Team mit professionellem Training fördern und zur Freude an Spiel und Sport motivieren. Während der einjährigen Projektlaufzeit sollen 100 Kinder und Jugendliche in 8 bis 9 Mannschaften für das Fußballspielen im Verein begeistert werden. Durch die Anschaffung eines Shuttle-Busses wird jüngeren Kindern aus entfernteren Ortsteilen mit schlechter Verkehrsanbindung die Teilnahme am Training ermöglicht. Fördermittel zur Teilfinanzierung eines Shuttle-Busses: 3.000 Euro.

Projekt 8: „Stadtführungen für Bürger mit Migrationshintergrund": Integration durch Bindung an die Umgebung. StattReisen Bonn erleben e. V. plant thematisch speziell aufbereitete Stadt- und Stadtteilführungen für Bürger mit Migrationshintergrund kostenlos anzubieten. Auf diese Weise kann eine engere Bindung an die eigene soziale Umgebung und somit die Integration insgesamt gefördert werden. Es sind zunächst 5 Führungen (ggf. mit Dolmetschern) mit jeweils einer Teilnehmerzahl von max. 20 Personen geplant. Fördermittel für die Projektdurchführung: 800 Euro.

Projekt 9:Kanutour für ehemals Drogenabhängige": Reintegration durch aktive Freizeit. Der Verein für Gefährdetenhilfe gemeinnützige Betriebs-GmbH richtet sich mit seinem Projekt „Kanutour an der Lahn" an die Bewohner des Adaptions- und Nachsorgezentrums „Ausweg", einer Einrichtung der medizinischen Rehabilitation für ehemals Drogenabhängige. Die Bewohner sind sämtlich Bonner Bürger. Mit der 4-tägigen Kanutour sollen die Teilnehmer konstruktives, aktives und drogenfreies Freizeitverhalten als Alternative zum bisherigen Lebensstil erlernen, der im Wesentlichen durch Drogenkonsum und -beschaffung geprägt war. Ziel ist die Reintegration von Menschen am Rande unserer Gesellschaft zur Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben. Fördermittel für Sachkosten: 600 Euro.


Nachwahl in die Finanzkommission

Bei der Nachwahl für die Finanzkommission setzte sich der 44-jährige Pädagoge Gunter Kimmerle durch. 




Projekt 2 - AsA

5. Parlamentssitzung - Abstimmung

5. Parlamentssitzung - Abstimmung

5. Parlamentssitzung - Abstimmung

5. Parlamentssitzung - Abstimmung

Neues Mitglied in der Finanzkommission - Gunter Kimmerle (2.v.l.)

Generaldebatte - Wolfram Schmuck und Dr. Michael Kaiser