4. Parlamentssitzung, 13. November 2010

4. Parlamentssitzung - Abstimmung

„Integration statt Resignation", Demenz-WG, „JungeBühneBonn 2011" und weitere Hilfsprojekte wurden mit mehr als 13.000 Euro gefördert. 

Die 4. Parlamentssitzung im Hörsaal I der Universität hat eine erfolgreiche Bilanz vorgelegt: Die Zahl der Parlamentarier wurde auf 225 nahezu verdoppelt; insgesamt wurden über 25.000 Euro Spenden in diesem Jahr vergeben. Hierzu meint der neue Botschafter des Spendenparlaments, Norbert Alich,: „Spaß am Spenden für die gute Sache".

Während bei vielen sozialen, kulturellen und sportlichen Initiativen in der Stadt die Furcht vor dem Rotstift des Bonner Rathauses umgeht, konnten sich am Samstag (13.11.) acht Vereine über die finanzielle Förderung ihrer Hilfsprojekte mit einem Spendenvolumen von insgesamt 13.227,50 Euro freuen. Neben Integrationsprojekten und Vorhaben aus dem Kultur- und Bildungsbereich stand auch die Unterstützung der Einrichtung einer Wohngemeinschaft für demenzkranke, ältere Mitbürger auf der Förderliste, die von den Parlamentariern auf ihrer inzwischen vierten  Parlamentssitzung, dieses Mal im Hörsaal I der Universität, nach lebhafter Debatte verabschiedet wurde.

So kann das Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen an zunächst zwei Bonner Schulen mit einem mobilen Tonstudio ein Musikprojekt durchführen. Die gemeinnützige Einrichtung PAUKE kann ihr Projekt „Integration statt Resignation" starten, bei dem es um die gesellschaftliche Wiedereingliederung von suchtkranken und langzeitarbeitslosen Bonnern durch Bewerbungshilfen geht. Das Muck Familien Zentrum wird im Rahmen psychosomatischer Kleinkinderarbeit und pädagogischer Elternarbeit einen speziellen Kurs für junge Familien mit Migrationshintergrund anbieten. In Dransdorf wird ein Fitness- und Tanzprojekt der Schwimm- und Sportfreunde Bonn für Jugendliche mit schwierigem Familien- und Migrationshintergrund mit Spendengeldern des Bonner Spendenparlaments umgesetzt. Aus dem Kultur- und Bildungsbereich erhalten beispielsweise das Netzwerk Ludwig van B. Musikalische Jugendarbeit in Bonn und der Verein marabu projekte e.V. Finanzspritzen für die von ihnen vorgestellten Vorhaben Workshops für Schülerbands bzw. die Theaterproduktion „JungeBühneBonn 2011".

Bei der Begrüßung der rund einhundert  Parlamentarier und Gäste konnte der 1. Vorsitzende des Bonner Spendenparlaments, Professor Dr. Hans-Martin Schmidt, auf eine erfolgreiche Entwicklung der erst 2008 gegründeten gemeinnützigen Initiative verweisen: „Die Zahl der Mitglieder des Bonner Spendenparlaments hat sich gegenüber der letztjährigen Herbstsitzung auf nunmehr 225 nahezu verdoppelt. Allein in diesem Jahr konnten wir aus den Spenden unserer Parlamentarier 16 Hilfsprojekte mit einem Fördervolumen von mehr als 25.000 Euro unterstützen". Für das Präsidium des Spendenparlaments dankte Rita Koch, die auch die Sitzung leitete, allen Spendern für ihr großes Engagement. Über diese Spenden hinaus hat das Bonner Spendenparlament auch noch weitere Institutionen für eine zusätzliche Unterstützung von nur teilfinanzierten Projekten gewinnen können. Der Botschafter des Bonner Spendenparlaments, Kabarettist Norbert Alich, alias Hermann Schwaderlappen, stellte als Parlamentarier fest: "Es macht Spaß, etwas Gutes zu tun, und davon haben wir alle etwas".

In der Sitzung wählten die Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus ihrer Mitte turnusgemäß mit Walter Höller, Kaus Hombach und Wolf Reinhardt drei neue Mitglieder in die sechsköpfige Finanzkommission, die alle von Bonner Vereinen eingereichten Anträge auf ihre Förderungswürdigkeit überprüft. Dem Plenum konnten dieses Mal acht Hilfsprojekte zur Debatte und Abstimmung vorgelegt werden, die auch sämtlich die Zustimmung des Parlaments fanden. 

Acht Förderprojekte: Von der Papierschneidemaschine bis zur Theaterproduktion

Projekt 1: Anschaffung einer Atelier-Papierschneidemaschine für das „Offene Atelier". Artefakt - Werkstatt für Kunst e.V. bietet mit Atelierräumen, Materialien und Kursen Erwachsenen und Kindern einen geeigneten Rahmen, kreativ künstlerisch tätig zu werden. Kinder in der Bonner Altstadt, oft mit Migrationshintergrund, können einmal wöchentlich bim „Offenen Atelier" kostenlos unter pädagogischer Anleitung mit verschiedenen Materialien experimentieren und so die Basis für eine weitere kreative Entwicklung legen. Fördermittel für eine Atelier-Schneidemaschine: 867,50 Euro.

Projekt 2: „Beats on Wheels" - Das mobile Tonstudio. Das Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen e.V (BIM) engagiert sich auf verschiedenen Ebenen für ein gelungenes und verständnisvolles Miteinander in unserer Gesellschaft. Zur Förderung des Zusammenlebens, des interkulturellen Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung wird ein mobiles Tonstudio an drei Bonner Schulen im Rahmen der Übermittagsbetreuung als Musikprojekt angeboten. Die allgemein schwer motivierbaren Schülerinnen und Schüler schreiben Texte, singen Lieder und produzieren dann eine eigene CD. Fördermittel für Honorarkosten: 2160,- Euro.

Projekt 3: Einrichtung einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke im Ortsteil Pennenfeld. Der Verein LeA - Lebensqualität im Alter e.V. richtet die erste Demenz-Wohngemeinschaft (WG) ein. Die WG basiert auf einem Netzwerk von professioneller Hilfe und Betreuung, ehrenamtlicher und nachbarschaftlicher Unterstützung. In der Maidenheadstr. 18 in Bonn-Bad Godesberg/Pennenfeld werden in einer Großraumwohnung sechs ältere Menschen mit Demenzerkrankung eine neue Heimat finden. Fördermittel für Wohnungseinrichtung und Haushaltsausstattung (Möbel, Waschmaschine, Trockner): 1.800,- Euro.

Projekt 4: Psychomotorische Kleinkinderarbeit und pädagogische Elternarbeit im Kurs „Junge Familien mit Migrationshintergrund. Das Muck Familien Zentrum Bietet einen Treffpunkt und Kurse für Eltern mit Kleinkindern an. Der Kurs „Junge Familien mit Migrationshintergrund" legt besonderen Wert auf die sinnliche Wahrnehmung der Kinder. Neben Körper- und Bewegungserfahrung wird auch die Sprachentwicklung unterstützt. Fördermittel zur Teilfinanzierung von Honorar, Betriebskosten, Spielmaterial etc.: 1.500 Euro.

Projekt 5: „Kick of(f) Music-Workshops für Schulbigbands undSchülerbands. Das Netzwerk Ludwig van B. Musikalische Jugendarbeit in Bonn e.V. will junge Menschen, vor allem im Rahmen des Beethovenfestes, an anspruchsvolle Musik heranführen. Zweimal wurden bereits Wettbewerbe für Schul-Bigbands durchgeführt. In Wochenend-Workshops werden die Schülerbands mit dem professionellen Marcus-Schinkel-Trio (Klavier, Kontrabass, Schlagzeug) auf Wettbewerbe und andere öffentliche Auftritte vorbereitet. Fördermittel zur Teilfinanzierung (vor allem Honorare): 1.500 Euro.

Projekt 6: „Integration statt Resignation" - Gesellschaftliche Wiedereingliederung ducrh Bewerbungshilfe. Die gemeinnützige Einrichtung PAUKE Bonn eGmbH hat sich die gesellschaftliche Wiedereingliederung von suchtkranken und langzeitarbeitslosen Bonnern, insbesondere durch Integration in den Bereichen Arbeit, Wohnen und soziale Kontakte, zum Ziel gesetzt. Es sollen ein Fonds für Einzelhilfen bei Bewerbungsverfahren und eine kleine Leihbibliothek für Bewerbungsvorbereitungen und zur Stärkung  sprachlicher Kompetenzen eingerichtet werden. Fördermittel zur Gesamtfinanzierung: 1.500 Euro.

Projekt 7: Spiegelwand für Fitness- und Tanzprojekt in Dransdorf. Die Schwimm- und Sportfreunde Bonn 1905 e.V. (SSF) ermöglichen es Jugendlichen mit schwierigem familiären Hintergrund bzw. Migrationshintergrund in Dransdorf kostenfrei in Gemeinschaft   Sport zu treiben. Für Tanz- und Aerobic-Kurse für Mädchen unter fachlicher Anleitung eines Übungsleiters soll der selbst renovierte Fitnessraum mit einer Spiegelwand ausgestattet werden. Fördermittel zur Teilfinanzierung (bei 500,- Euro Eigenmitteln): 1.900 Euro.

Projekt 8: Theaterproduktion „JungeBühneBonn 2011". Der Verein marabu projekte e.V. fördert Theaterkunst für Kinder und Jugendliche in der Theaterwerkstatt der Brotfabrik in Bonn-Beuel sowie theaterpädagogische Projekte. Für 2011 entwickeln ca. 15 Bonner Jugendliche ein Theaterstück, proben es unter professioneller Anleitung und führen das Stück anschließend auf. In dem weitgehend selbstbestimmten Prozess haben sie Gelegenheit, ihren Anliegen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Fördermittel als Teilfinanzierung der Produktionskosten: 2.000 Euro.