Die 10. Parlamentssitzung

Bei manchem kam da eine gewisse Nostalgie auf: Nach fünf Jahren tagte das inzwischen - fest etablierte - Bonner Spendenparlament erneut am Ort seiner ersten Sitzung, nämlich im "Bonner Wasserwerk"!

Die Parlamentarier waren aufgerufen, über 12 vorliegende Förderanträge mit einer Fördersumme von gut 31.000 € zu diskutieren und abzustimmen. Insgesamt lagen der Finanzkommission 27 fristgerecht eingereichte Projektanträge mit einer Gesamtsumme von über 100.000 € zur Prüfung vor.

Am 23. November 2013 begrüßte Prof Dr. Hans-Martin Schmidt als Erster Vorsitzender des Spendenparlamentes e.V. die Teilnehmer der 10. Parlamentssitzung. Er dankte allen Sponsoren für ihre Unterstützung, ohne deren Hilfe diese Veranstaltung sowie die im Anschluss stattfindende Jubiläumsfeier gar nicht möglich gewesen wäre.

Parlamentspräsidentin Rita Koch eröffnete die Sitzung und stellte fest, dass das Parlament mit 91 stimmberechtigten Parlamentariern beschlussfähig ist.

Wahl der Mitglieder des Präsidiums: Die drei Kandidaten - Frau Rita Koch, Herr Matthias Ohm (abwesend) und Herr Wolfgang Bös - wurden in ihrem Amt bestätigt; alle drei nahmen die Wahl an.

Unter den Parlamentsmitgliedern und Gästen konnte die Initiative den Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, Schirmherr der Initiative, Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand, Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn sowie die Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner und Dr. Claudia Lücking-Nichel begrüßen, die auch Mitglieder des inzwischen 372 Mitglieder umfassenden Spendenparlamentes sind.

Zu den ambitionierten Zielen des Spendenparlamentes zählt die zukünftige Projektförderung mit den drei Säulen "Förderung - Begleitung - Weiterentwicklung". Der Fokus soll noch stärker auf die Förderung innovativer und wegweisender Initiativen sowie auf die Nachhaltigkeit der Projekte gerichtet werden.

Insgesamt wurden auf der 10. Parlamentssitzung zwölf Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 35.811,60 € verabschiedet.


Im Einzelnen:

Projekt 1: Mit „Werkstatt-Tag" die Welt erforschen - Persönlichkeitsbildung am Experimentiertisch

Träger: Abenteuer lernen e. V., www.abenteuerlernen.org

An der auf kranke Kinder eingerichteten Paul-Martini-Schule soll ab Januar 2014 ein regelmäßiger sogenannter „Werkstatt-Tag" eingerichtet werden. Mit diesem Projekt erhalten Kinder, die länger als vier Wochen aufgrund traumatischer Ereignisse, psychischer oder anderer Krankheiten keine reguläre Schule besuchen konnten, ein erfahrungsorientiertes naturwissenschaftliches Bildungsangebot. Diese Kinder in einer erschwerten Lebenssituation sollen - indem sie sich mit geeigneten naturwissenschaftlichen Experimenten beschäftigen - ermutigt und angeregt werden, sich mit Freude mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Sie lernen so, ihre Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Das Projekt endet mit dem Schuljahr 2013/2014.
Antrag: 4.950,- Euro für Experimentiermaterial, Honorar für insgesamt 4 Projektgruppen und pädagogische Begleitung.
Fördermittel: 4.950,00 €


Projekt 2: „STARK" durch Alphabetisierung - Starthilfe für junge Flüchtlinge

Träger: Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e. V., www.asa-bonn.org

Junge Flüchtlinge aus Bonn sollen durch gezielte Maßnahmen alphabetisiert und in ihren sprachlichen und schriftlichen Fertigkeiten gestärkt werden, um ihnen so die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe zu eröffnen. Eine speziell geschulte Lehrkraft führt einen sechsmonatigen Alphabetisierungskurs zum Erlernen der lateinischen Schriftform durch, um die Kompetenzen der Jugendlichen für die Schule zu erweitern und ihre Fähigkeiten in Alltagssituationen zu stärken. Anschließend soll dann der Lernprozess im Rahmen einer viermonatigen Schreibwerkstatt vertieft werden.
Der in Deutschland einmalige Verein „Ausbildung statt Abschiebung" fördert und unterstützt junge Flüchtlinge mit einem unsicheren Aufenthalt im Alter von 14 bis 27 Jahren in schulischen und beruflichen Angelegenheiten. Seine Angebote richten sich nach dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe", d. h., den jungen Flüchtlingen wird Starthilfe in Form von aufenthaltsrechtlicher Beratung, schulischer und beruflicher Orientierung sowie Freizeitangeboten gegeben.
Antrag: 3.700,- Euro für Honorar und Lehrmaterial.
Fördermittel: 4.440,00 E

Projekt 3: Beistand für die Bildung - Kindern eine Zukunft geben

Träger: AVODAS e. V., www.avodas.de

Kindern und Jugendlichen - meist mit Migrationshintergrund -, deren Bildung durch eine schwierige familiäre Situation gefährdet ist, wird bei schulischen Schwierigkeiten individuelle Nachhilfe angeboten. Darüber hinaus bietet der Verein auch Vermittlung bei Problemen mit Eltern und Lehrern an, um so Lernhemmnisse zu vermindern. Die Kinder und Jugendlichen sollen so mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen. Eine zweite Säule des Projektes sind Ferienangebote für Schulkinder, die keine Möglichkeit haben, in Urlaub zu fahren.
Durch die frühzeitige Unterstützung soll die Gefahr, dass gerade diese Kinder auf der Strecke bleiben, gemindert werden. Mit Hausaufgabenbetreuung und Klausurvorbereitung durch geschulte Lehrkräfte sowie späterer Unterstützung beispielsweise der Lehrstellensuche wird den Kindern und Jugendlichen das Gefühl gegeben, dass sie positiver Bestandteil der Gesellschaft sind.
Antrag: 3.400,- Euro für Honorar, Material und Raummiete.
Fördermittal: 4.080,00 €


Projekt 4: „Balu und du" - Selbstvertrauen durch persönlichen Paten


Träger: Caritasverband für die Stadt Bonn e. V., www.caritas-bonn.de

Gemeinsam mit ehrenamtlichen Paten (Balu) bauen Bonner Kinder im Grundschulalter, die vom Leben nicht verwöhnt werden, Selbstvertrauen auf und entdecken ihre Talente im außerschulischen Bereich. Hierzu treffen sie sich ein- oder mehrmals pro Woche innerhalb eines Jahres mit ihrem Mentor im Alter von zwischen 18 und 30 Jahren und erleben so gemeinsam Dinge, die ihnen sonst eher nicht zugänglich sind. Das Geheimnis der positiven Wirkung des Projektes besteht in der ganz persönlichen Zuwendung der Balus, die mit ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit dem Kind Werte, Verhaltensweisen und auch Fähigkeiten vorleben und vermitteln.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, der Caritasverband übernimmt die Organisation und stellt über ein Auswahlverfahren sicher, dass die Kinder, die der Teilnahme an dem Programm aktiv zustimmen müssen, auch von entsprechend geeigneten Personen betreut werden.
Antrag: 2.700,- Euro für je 15 Euro Taschengeld für insgesamt 15 Paare für die Laufzeit von 12 Monaten.
Fördermittel: 2.700,00 €

 
Projekt 5: Neuen Lebensraum erradeln - Fahrräder für internationale Förderklasse

Träger: Förderverein Friedrich-List-Berufskolleg e. V. Bonn-Bad Godesberg,
www.flb-bonn.de

In der internationalen Förderklasse des Berufskollegs wird Asylbewerbern und Asyl-bewerberinnen sowie Flüchtlingen aus Kriegsgebieten in entsprechenden Klassenstufen auch ein Bild ihres neuen Lebensraumes vermittelt. Dazu sollen 20 gebrauchte Fahrräder für einen Klassenverband angeschafft werden, da die wenigsten dieser Schüler über ein eigenes Fahrrad verfügen. Hinzu kommt, dass einige Schüler nicht Rad fahren können und dies erst im Unterricht erlernen.
Mit den Fahrrädern wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet, umweltfreundlich und gesundheitsfördernd gemeinsam ihre Umgebung kennenzulernen.
Antrag: 1.000,- Euro für 20 gebrauchte Fahrräder à 50,- Euro.
Fördermittel: 1.200,00 €


Projekt 6: Tierlaute im Wald erleben - Naturerlebnisse ausgeweitet


Träger: Förderverein Haus der Natur - Waldinformationszentrum e. V.,
www.hausdernatur-bonn.de

Das Haus der Natur will sein naturnahes Umweltbildungsangebot für Bonner Schulen, interessierte Kindergruppen und sonstige Besucher durch auditive, elektronische Hilfsmittel weiter ausbauen und noch attraktiver gestalten.
Werden besonders bei den Walderlebnissen bislang überwiegend Seh- und Tastsinn angesprochen, konnte der Hörsinn letztlich nur über die Kommunikation untereinander adressiert werden. So wurden zwar Tierstimmen beschrieben, aber eben nicht wirklich hörbar gemacht. Mit der Anschaffung von Bestimmungsbüchern in Kombination mit dem TING-Stift sollen künftig Naturgeräusche akustisch erlebbar gemacht werden, indem ein entsprechend kodierter TING-Stift das Objekt erkennt und die hinterlegte Musikdatei abspielt. Zusätzlich sollen zur Installation auf dem Weg der Artenvielfalt kleine Lautsprecher angeschafft werden, die passend zu den jeweiligen Informationstafeln Tierlaute wiedergeben.
Antrag: 762,90 Euro für 10 TING-Stifte, Bestimmungsbücher und Mini-Soundstationen.
Fördermittel: 762,90 €


Projekt 7: „Sonnenkinder" - Therapiegruppe für Jugendliche von psychisch kranken Eltern

Träger: Hilfe für psychisch Kranke e. V., www.hfpk.de

Für Jugendliche von psychisch kranken Eltern soll eine gesonderte Therapiegruppe eingerichtet werden. Der Verein hat in den letzten Jahren eine Therapiegruppe speziell für „Kinder" psychisch kranker Eltern eingerichtet. In dieser Gruppe, in der möglichst auch die Eltern - meist alleinerziehende Mütter mit geringem Einkommen - mit einbezogen werden, wird eine sehr engagierte und qualitativ hochwertige Arbeit durch ausschließlich ehrenamtlich Tätige geleistet. Im Verlauf des Projekts, in das verschiedentlich auch Jugendliche mit aufgenommen worden waren, hat sich gezeigt, dass die Betreuung von Jugendlichen beträchtliche Besonder¬heiten und insoweit unterschiedliche Probleme im Verhältnis zur Betreuung von Kindern aufweist und deshalb eine eigenständige Therapiegruppe für „Jugendliche" geboten ist.
Antrag: 2.976,- Euro für Bücher und Materialien; Veranstaltungsbesuche; anteilige Kosten für Druckschriften, elektronische Medien und Pressearbeit; Supervisionskosten.
Fördermittel: 3.420,00 €


Projekt 8: U3-Kurse zur Integration: Deutschlernen für Kleinkinder und ihre Familien

Träger: Känguru - Verein für frühkindliche Bildung e. V., uta-claussen@t-online.de

Migrantenkinder unter drei Jahren lernen in Kursen gemeinsam mit einer Bezugsperson aus der Familie auf spielerische Weise Deutsch, parallel zur familiären Muttersprache. Die Kurse dauern ein halbes Jahr und finden statt in Familienzentren, Kitas und ähnlichen Einrichtungen vor allem in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil. Sie basieren auf einem wissenschaftlich abgesicherten Konzept, werden von speziell weitergebildeten Logopädinnen durchgeführt und wurden in Bonn bereits erfolgreich angeboten.
Das Erfolgsrezept der Kurse besteht darin, dass die Familien ihre Kinder nicht in fremde Hände geben, sondern an den Kursen selbst teilnehmen und mitlernen. Die Kinder lernen die deutsche Sprache zum bestmöglichen Zeitpunkt in ihrer Entwicklung und haben bereits beim Eintritt in den Kindergarten deutsche Sprachkenntnisse und damit von Anfang an gute Chancen der Integration.
Antrag: 15.000.- Euro für Honorare und Material für 12 Kurse.
Fördermittel: 6.000,00 €


Projekt 9: „Komm mit, ich zeig dir meine Stadt" - Lebensraum im Team vertiefen


Träger: Kultur verbindet e. V., info@kulturverbindet-bonn.de

Grundschulkinder mit sozial schwachem sowie deutsch/internationalem Hintergrund sollen mit Eltern ihre Stadt Bonn gemeinsam erleben und die Identifikation mit dem eigenen Lebensraum durch Kennenlernen und Wissen vertiefen.
Dazu werden im Rahmen eines Wettbewerbs während eines Schulhalbjahres ab Februar 2014 6 bis 7 Teams bestehend aus 2 Kindern der 3. und 4. Grundschulklasse und je einem Elternteil gebildet. Jedes Team verarbeitet gemeinsam in einem „Erlebnisbuch" seine Eindrücke von den Stadterkundungen. Bei kleineren Wettbewerben und einem großen Schlusswettbewerb stellen die Teams ihr erworbenes Wissen unter Beweis. Der Startschuss fällt zunächst an der Gotenschule und der Andreasschule.
Antrag: 819,40 Euro für Bücher, Stadtführungen und Materialkosten.
Fördermitttel: 983,28 €


Projekt 10: Bonner save me - Kampagne: Syrische Flüchtlinge ehrenamtlich begleiten

Träger: Ökumenische Flüchtlingshilfe Bonn e. V., Kampagne@save-me-bonn.de

Die allein für Bonn zu erwartenden mehr als einhundert der voraussichtlich 5.000 Kriegsflüchtlinge aus Syrien sollen im Rahmen der save-me-Kampagne ehrenamtlich begleitet werden. Sie sollen sich in der Bundesstadt gut aufgenommen und unterstützt fühlen sowie neue Perspektiven entwickeln können; auch der Ghetto-Bildung soll entgegengewirkt werden.
Es ist geplant, vornehmlich Begegnungen der Flüchtlinge mit ihren neuen Nachbarn und anderen interessierten Bonnern zu ermöglichen, bei der Suche nach privaten Wohnungen zu helfen, sie durch „Bildungspaten" individuell beim Einleben in Bonn und beim Erlernen der deutschen Sprache zu begleiten sowie andere ehrenamtliche Angebote zu vermitteln. Der exakte Beginn des Projekts hängt vom Zeitpunkt der Ankunft der Flüchtlinge ab.
Antrag: 2.460,- Euro für Sachmittel (z. B. Wörterbücher, Fahrtkostenerstattungen), Honorare für Dolmetscher und externe Supervisoren, Miete Besprechungsräume.
Fördermittel: 2.460,00 €


Projekt 11: Reparaturcafé in Dransdorf: Hilfe zur Selbsthilfe beim Handwerkeln


Träger: Stadtteilverein Dransdorf e. V., www.dransdorf.org

Nachbarschaftliches Engagement und „Hilfe zur Selbsthilfe" stehen im Vordergrund des „Reparaturcafés". Mit dem Projekt sollen Frauen und Männer aus dem Stadtteil Dransdorf angesprochen werden, die Lust haben, sich handwerklich zu betätigen. Hier können unter ehrenamtlicher Anleitung Möbel repariert, Möbelkleinteile hergestellt, Änderungen an Kleidungsstücken durchgeführt oder kleinere Näharbeiten gefertigt werden. Das Café soll in den Räumen des Stadtteilvereins Dransdorf stattfinden und wird somit zum Ort der Begegnung.
Das schon bestehende, sehr erfolgreiche „Hammer"- Projekt für männliche Erwachsene wird hiermit erweitert. Im Stadtteil Dransdorf leben überwiegend sozial benachteiligte Familien, darüber hinaus viele mit Migrationshintergrund.
Antrag: 1626,85 Euro für 2 Nähmaschinen, 1 abschließbaren Schrank, Nähmaterialien, Stoffe, Holzplatten, Kleinteile.
Fördermittel: 1.952,22 €


Projekt 12: Körbe zum Leben - Basketballplatz für ehemals Suchtkranke


Träger: Verein für Gefährdetenhilfe e.V. (VFG), www.vfg-bonn.de

Die Erstellung eines Basketballplatzes ermöglicht eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für wohnungslose, ehemals drogenabhängige Menschen und stellt einen wichtigen Beitrag bei der Rückkehr in normale Lebensumstände dar. Die (Wieder-)Entdeckung des eigenen Körpergefühls durch Sport gibt Kraft, stärkt das Selbstwertgefühl und Durchhaltevermögen, so dass die Zuversicht, das Leben wieder in die eigenen Hände nehmen zu können, gestärkt wird.
Das VFG-Wohnheim Am Dickobskreuz ist eine stationäre Einrichtung für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. 27 Personen leben dort und werden von Sozialarbeitern in allen Belangen des Lebens betreut und unterstützt. Ziel der Maßnahme sind die Wiedereingliederung und Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben.
Antrag: 2.386,- Euro zur Errichtung eines Basketballplatzes.
Fördermittel: 2.863,20 €

Anmerkung: Ein Projekt wurde kurz vor der Sitzung zurückgezogen.

 


Bonner Spendenparlament: Prüfung von FörderAnträgen durch die Finanzkommission